Herbert Heuß

AUFKLÄRUNG ODER MANGEL AN AUFKLÄRUNG?

Über den Umgang mit den Bildern vom „Zigeuner“

 

Daß die bürgerliche Aufklärung gescheitert sei, gilt als Gemeinplatz, und ebenso, daß es nichts Besseres gibt, als eben humanistische Aufklärung permanent zu betreiben. „Allein ob die permanente Aufklärung noch eine Chance hat in Aktualität und Zukunft, muß an jenen Außenseitern der Gesellschaft demonstriert werden, die als Monstren geboren wurden. Ihnen leuchtet nicht das Licht des kategorischen Imperativs, denn ihr Tun kann nicht zur Maxime einer allgemeinen Gesetzlichkeit gemacht werden.“1[_1]    An Frauen, Homosexuellen und an Juden hat Aufklärung sich zu bewähren, so Hans Mayer – „Zigeuner“ tauchen in seinem Werk über die Außenseiter jedoch wiederum nur als Außenseiter, nämlich nur am Rande auf.2[_2]    Seit Mayers der Aufklärung verpflichteter Arbeit über die Außenseiter sind eine Vielzahl von Arbeiten erschienen, die das Verhältnis von Aufklärung und „Zigeuner“ im Rahmen einer Rassismusforschung verhandeln und dabei geradezu eine neuen Mode kreierten, nämlich die der Dekonstruktion der Aufklärung.3[_3]    Nicht länger allein Dialektik der Aufklärung, sondern Nachweis ihrer Schuld soll zur Debatte stehen.  Schuld, weil die Aufklärung die alten Bilder vom „Zigeuner“ rationalisiert und damit den modernen Rassismus erst geschaffen habe, dem Sinti/Roma dann in extremer Weise zum Opfer fielen.

 

In ganz anderem Zusammenhang wird gerade der Mangel an Aufklärung als Ursache neuer Verfolgung der Roma erklärt: mit dem Ende des Krieges im Kosovo fand die massivste Verfolgung von Roma seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges statt.  Seit Juni 1999 wurden von den zuvor über 120.000 Roma in Kosovo 100.000 Menschen vertrieben, wurden Tausende von Häusern, ganze von Roma bewohnte Orte vollständig zerstört – ohne daß dieser Pogrom auf Seiten der deutschen wie der internationalen Öffentlichkeit größere Aufmerksamkeit erregt hätte.4[_4]   Das Schweigen der deutschen und internationalen Öffentlichkeit mag durch antiziganistische Ressentiments leichter geworden sein, diese können hier aber als ursächlich ebenso wenig angenommen werden, wie der Pogrom an den Roma in Kosovo auf solche Vorurteilsstrukturen, auf einen uralten Hass oder überhaupt auf die Irrationalität, die vorgebliche zivilisatorische Unaufgeklärtheit des Balkan, zurückzuführen ist, wie es in den Medien so oft unterstellt wird.  Es würde an der spezifischen Situation im Kosovo ebenso vorbeizielen wie es die Interessen der internationalen Gemeinschaft an Stabilität und Destabilität in der Region außer acht ließe. Es ist nicht möglich, historische Linien zu ziehen, die Kontinuitäten in der Verfolgung konstruieren. Die Völkermorde des 20. Jahrhunderts teilen ihre jeweilige Einmaligkeit, sie wurden im System des Nationalstaates durchgeführt „nicht ohne die Initiative und Duldung von Politikern und verantwortlichen staatlichen Behörden“.5[_5]   

 

Es stellt sich also die Frage, ob und wieweit die ethnischen Konflikte, die Verfolgung der Roma – aktuell auf dem Balkan, generell in Europa – auf den alten Bildern vom „Zigeuner“ beruhen, ob und wieweit diese Bilder notwendige Voraussetzung für die Verfolgungen sind, oder aber, und dies wiederum wäre bedeutsam für die Konzeption einer Antiziganismusforschung, ob und wieweit die Ursachen der Verfolgung nicht jenseits dieser Bilder liegen.

 

Betrachtet man die Lage der Roma in Europa oder die Äußerungen von Wissenschaftlern wie sonstigen Autoren über die Lage der Roma, so scheint es zunächst, als ob die soziale Position der Sinti und Roma unabhängig v on jedweder Aufklärung jedenfalls die einer unter allen Klassen stehenden Kaste sei, als ob „Zigeuner“ als Opfer prädestiniert seien: sei es hier der unaufgeklärten Zustände des Balkans, sei es der vollends aufgeklärten Zustände des europäischen Nationalismus. Überall sind die bekannten Bilder vom „Zigeuner“ präsent, sind über Raum und Zeit hinweg konstant, so daß die Aussagen der Chronisten, der Aufklärer, wie der NS-Rassenhygieniker und ihrer Epigonen ohne weiteres austauschbar erscheinen. 

 

Diese scheinbare Kontinuität in den antiziganistischen Vorstellungen und Bildern, die seit dem Auftreten der Sinti und Roma in der deutschen und europäischen Geschichte ungebrochen erscheinen, verführt dazu, die jeweiligen qualitativen Änderungen in der Feindschaft gegenüber den Roma zu unterschätzen.  Statt dessen wird eine Spur des Anti­ziganismus entworfen, die zumindest von der Aufklärung bis zum National­sozialismus und zur Gegenwart führt: die Position der Aufklärung, den “Zigeuner” zum Verschwinden zu bringen, sei schließlich ebenso Ziel national­sozialistischer Rassen­ideologie gewesen.

 

So wird Heinrich Moritz Grellmann, dessen „Historischer Versuch über die Zigeuner“6[_6]   1783, kurze Zeit nach der Veröffentlichung von Christian Wilhelm Dohms Schrift „Über die bürgerliche Verbesserung der Juden“ erschien, von Zimmermann etwa unvermittelt doch noch mit den Rassenhygienikern des 3. Reiches in einen Zusammenhang gebracht : „Der Gegensatz zwischen Grellmann und Ritter, zwischen Aufklärung und Rassenhygiene, gründete gleichwohl in einer gemeinsamen Perspektive : Die ‘Lösung der Zigeunerfrage’ sollte in der Auflösung der Zigeuner als gesellschaftliche Gruppe bestehen.  Auf eben dieses Ziel rekurriert Ritter, als er 1938 die bisherigen polizeilichen und sozialpolitischen Versuche, das ‘Zigeunerproblem’ ‘zu lösen’, für gescheitert erklärt.  In ‘Kenntnis ihrer rassischen Eigenart’ müssten ‘neue Wege’ beschritten werden.“7[_7]    Wippermann erkennt in Grellmann nicht weniger als einen Urvater des Rassismus:„Grellmann kann daher als Schöpfer des rassistischen Antiziganismus bezeichnet werden, den es schon vor dem Rassen-Antisemitismus gab und der die konkrete ‘Zigeunerpolitik’ schon zu einem Zeitpunkt beeinflusste, als die ‘Judenfrage’ noch unter mehr oder weniger rein religiösen und eben nicht rassistischen Aspekten diskutiert wurde.“8[_8]  

 

Abgesehen davon, daß Dohm seine Ausführungen über die Emanzipation der Juden dezidiert nicht unter religiösen Aspekten vortrug, ist seine Argumentation offenkundig Vorbild für Grellmann gewesen.  Schon in der Vorrede heißt es: „Wenn er (Dohm, HH) aus der Geschichte gezeigt, wie die Juden nur deshalb als Menschen und Bürger, verderbt gewesen, weil man ihnen die Rechte beyder versagt habe; so würde er mit desto mehr Erfolg die Regierungen des Staates ermuntern zu dürfen geglaubt haben, die Zahl ihrer guten Bürger dadurch zu vermehren, daß sie die Juden nicht mehr veranlaßten schlechte zu seyn.“9[_9]    Die Vermehrung der Zahl der guten Bürger galt Dohm wie Grellmann als Grundlage zur Entwicklung des Staates: die Landes­verweisung galt für Grellmann als „verschwenderisch (...) so lange die Staatswissenschaft den Satz lehret, daß eine größere Volksmenge besser sey, als eine geringere ...“10[_10]   

 

Dohm spricht wiederholt von der „verderbten Gesinnung“ der Juden und erklärt diese ausdrücklich als Ergebnis der drückenden Verhältnisse, unter denen Juden seit Jahrhunderten zu leben hatten:„Ich kann es zugeben, daß die Juden sittlich verdorbener seyn mögen, als andere Nationen; daß sie sich einer verhältnismäßig größeren Zahl von Vergehungen schuldig gemacht haben, als die Christen; daß ihr Charakter im Ganzen mehr zu Wucher und Hintergehungen im Handel gestimmt; ihr Religionsvorurtheil trenender und ungeselliger sey; aber ich muß hinzusetzen, daß diese einmal vorausgesetzte Verdorbenheit der Juden eine nothwendige Folge der drückenden Verfassung ist, in der sie sich seit vielen Jahrhunderten befinden.“11[_11]    Und weiter heißt es bei Dohm : „Wenn ihn die Drückung, in der er Jahrhunderte gelebt, sittlich verderbter gemacht hat; so wird eine gerechtere Behandlung ihn wieder bessern.  Es ist möglich, daß manche Fehler so tief gewurzelt sind, daß sie erst in der dritten oder vierten Generation ganz verschwinden werden.“12[_12]  

 

Genau diese Argumentation wird auch von Grellmann übernommen, nachdem Dohm selbst noch das Beispiel der unter Maria Theresia im Banat Temeswar angesiedelten „Zigeuner“ gegeben und auf die generationenübergreifende Perspektive der Aufklärung hingewiesen hat: „Sollten aber auch erst die Nachkommen der itzigen Zigeuner nach mehr als einem Jahrhundert glücklichere Menschen und gute Bürger werden; so wird doch dieses unstreitig die Regierung nicht abhalten, ihre weisen Bemühungen fortzusetzen.“13[_13]    Entsprechend heißt es hier bei Grellmann : „Der Staat setze nur seine Bemühungen fort; so wird er mit dem zweyten Geschlechte schon weiter, mit dem dritten oder vierten aber gewiß am Ziele seiner Wünsche seyn.“14[_14]  

 

Es ist die Erziehung, die der Aufklärung als Instrument dienen soll, die noch im rohen Naturzustand lebenden Mitglieder einer Gesellschaft zur Menschwerdung gelangen zu lassen.  Das Aufhören, „Jude“ beziehungsweise „Zigeuner“ zu sein, bedeutet für Grellmann wie für Dohm den Austritt aus der Unwissenheit.  Für Grellmann wie für Dohm sind Juden wie Roma noch dem rohen, unzivilisierten Naturzustand verhaftet. „Oft schien ein Knabe (denn am Kinde muß man anfangen, nicht an dem alten Stamme, bey dem keine Mühe mehr anschlägt) bereits auf dem Wege zur Menschwerdung zu seyn, und plötzlich brach die rohe Natur wieder hervor ...“15[_15]    Der Optimismus der Aufklärung, über die Bildung des Verstandes wie des Herzens nicht nur ein besserer, sondern überhaupt erst zum Menschen zu werden, gilt bei Dohm wie bei Grellmann noch prinzipiell.  „Mochten die Zigeuner bisher auch noch so vielen Nachtheil gestiftet haben; so war es doch an sich nichts Unmögliches, daß sie einmal aufhörten, so allgemein schädliche Geschöpfe zu seyn.  (...)  Aus dem Menschen kann alles werden; hätte man nur die gehörigen Mittel zu ihrer Besserung angewendet, so würde die Erfahrung bewiesen haben, daß sie nicht unverbesserlich wären.“16[_16]   

 

Die Überwindung von Unwissenheit und Ignoranz, von Verderbtheit und rohem Naturzustand galt als Forderung gegenüber jedwedem, und in gleicher Weise natürlich gegenüber den Angehörigen der Mehrheit, von denen bekanntlich auch der größte Teil noch in jener selbstverschuldeten Unwissenheit lebte. Es galt, die Ausbreitung des Geistes zum Wohl der bürgerlichen Gesellschaft zu befördern. Aufklärung wurde verstanden als Teil des permanenten Prozesses auf dem Weg vom Naturzustand hin zu Kultur und Zivilisation, zu einer stets aufsteigenden Menschheit. Grellmann nennt die Kernbegriffe dieser permanenten Aufklärung, nämlich Bildung des Geistes wie der Moral: „Nicht also Landesverweisung war es, was man über diese Menschen hätte beschließen, nicht Züchtlings- und Galeerenzwang, wozu man hätte rathen sollen: sondern Sorge für Aufklärung ihres Verstandes, und für ein besseres Herz.“17[_17]  

 

Die „Verbesserung der Zigeuner“ ebenso wie die „bürgerliche Verbesserung der Juden“ sollte bei Grellmann ebenso wie bei den anderen Aufklärern, die sich für die Emanzipation der Juden einsetzten, stets vom Staat durchgesetzt werden. Dieser pädagogische Ansatz findet sich ebenso bei der zeitgenössischen Diskussion über die „Besserung“ der Juden. Gekoppelt an die Bewährung der zu Emanzipierenden wird diesen aufgegeben, jeweils ihr Judentum oder ihr Sein als Roma aufzugeben. Stets war das Ziel jeder Entwicklung nicht etwa die Emanzipation der jeweiligen Minderheit als solcher, sondern die Aufhebung deren sozialer Existenz. Juden sollten keine Juden mehr sein, „Zigeuner“ sollten aufhören, „Zigeuner“ zu sein, beide sollten nützliche Bürger des Staates werden.  Die Emanzipation lässt die zu Emanzipierenden verschwinden. Und dieses Verschwinden war gleichzeitig die Voraussetzung für die Emanzipation, soll heißen für die Menschwerdung der zu Emanzipierenden.

 

Hauptsächliches Mittel der Erziehung ist für Dohm wie für Grellmann die Arbeit.  Arbeit bedeutete im Althochdeutschen soviel wie: Mühsal, Plage, Beschwerde, Not.18[_18]  Für freigeborene Germanen war Nicht-Arbeit selbstverständlich, Arbeit war den Sklaven und Leibeigenen vorbehalten.  Erst mit der Reformation begann in Deutschland eine Aufwertung des Arbeitsbegriffs - verbunden mit der Ablehnung geistlicher oder adeliger Muße wie mit der Ächtung von Armut. “Wurde die christliche Armut, das Leben von Spenden anderer, abgetan und der Bettler als eine unsittliche Erscheinung angesehen, die beseitigt werden musste, so ergab sich daraus der Gedanke, dass Arbeit sowohl Strafe wie Zucht und Erziehung sei und daher von der Obrigkeit erzwungen werden konnte. Dem entsprachen Arbeits- und Zuchthäuser, die seit dem 16. Jahrhundert von calvinistischen Ländern, besonders Holland, ausgingen.”19[_19]  

 

Die Aufklärung brachte mit dem ausgehenden 18. Jahrhundert die Forderung nach „freier Arbeit“. In Deutschland war diese Forderung verbunden mit der Forderung nach Bauernbefreiung (von der Bindung an Grund und Boden), nach Gewerbefreiheit, Freizügigkeit, Konkurrenz - und selbstverständlich auch mit der Forderung nach Emanzipation der Juden. Die Emanzipation war von Beginn an verbunden mit der Forderung, Juden mögen sich ebenso wie die übrige Bevölkerung dann auch produktiver Arbeit zuwenden.  Diese Forderung wurde sowohl von projüdischer Seite wie von Gegnern der Emanzipation erhoben, vom Beginn des modernen Antisemitismus an gehörte sie dann zu dessen Repertoire.

 

Arbeit galt auch für Christian Wilhelm Dohm als grundlegender Wert.  Juden sollten zur Erreichung einer tatsächlichen Verbesserung jetzt Handwerker und Bauern werden: „In der That ist das Leben des geschickten Handwerkers vielleicht der reinste Genuß, der sich in unserer bürgerlichen Gesellschaft finden mag ... Die starke Arbeit macht ihn gesund, und die Gleichförmigkeit derselben bringt eine gewisse stille Ruhe in seinen Geist.“20[_20]  Als Mittel, die “verderbte Gesinnung” der Juden zu überwinden, gilt Dohm die Arbeit, die schließlich auch der Konstitution der Juden gut täte.

 

In gleicher Weise will Grellmann Arbeit als entscheidendes Zwangsmittel eingesetzt wissen, um „Zigeuner“ zu erziehen. Nennt Dohm allerdings noch die „Verdorbenheit der Juden“ als eine notwendige Folge der drückenden Verfassung, in der sie sich befinden, so geht Grellmann einen Schritt weiter und verlegt die Ursache für die desolate Lage, in der sich die „Zigeuner“ befänden, in diese selbst. Und zwar legt Grellmann eine Gegenüberstellung von Arbeit und Müßiggang an, die eine Grundfrage abendländischer Zivilisation zu sein scheint: die Schaffung von Arbeit als einer sozialen und kulturellen Kategorie, deren Durchsetzung Jahrhunderte langer Anstrengungen bedurfte, und die heute den Wert des Menschen an seinem Anteil an produktiver Arbeit misst. Für Grellmann scheinen Müßiggang und Faulheit der Zigeuner die entscheidende Disposition dieser Gruppe zu sein : „Hier entdeckt sich zugleich der Grund, warum Armuth und Dürftigkeit ein so gemeines Loos dieser Menschen ist.  Er liegt in ihrer Faulheit, und übermäßigen Neigung zur Gemächlichkeit. Sucht man Menschen, die im Schweiße ihres Angesichts ihr Brod essen, so wird man sie überall leichter, als unter dem Volke der Zigeuner finden.  Jede Arbeit ist ihr Feind, wenn sie mühsam ist, und viele Anstrengung erfordert.“21[_21]  . Grellmann vergisst auch nicht, den Müßiggang selbst nochmals zu verurteilen, denn in der christlichen Tradition ist Ruhe und Muße durchaus ein positiver Wert : “Aber diese an sich liebenswürdige Zufriedenheit, ist bey dem Zigeuner so wenig, als bey dem Irokesen, Tugend, und entspringt aus dem Übermaaße seines Leichtsinns.”22[_22]  

 

Arbeit stellt für Grellmann gleichermaßen gottgewollten Lebenszweck wie individuelle Daseinsberechtigung dar.  Eben dieses : Lebenszweck wie Daseinsberechtigung werden von den Roma durch deren weiteres Existieren von Grund auf in Frage gestellt. Damit bedeutet das Fortdauern der sozialen Existenz von Sinti/Roma das Scheitern nicht nur der Aufklärung, sondern der Aufklärer selbst.  Hier wird, in Verbindung mit jener bereits genannten Koppelung von Emanzipation und der Forderung nach Aufhebung jeder spezifischen ethnischen Existenz, die Drohung der Aufklärung spürbar: wer nicht zum nützlichen Bürger erzogen werden kann, verliert jeden Anspruch.

 

Die Forderung nach freier Arbeit bedeutete nichts weniger als die vollständige Auflösung der überkommenen Wirtschafts- und Sozialordnung.  Die Trennung von produktiver und unproduktiver Arbeit revolutionierte die überkommenen Werte: die feudalen Herrschaftsstände galten nun als ebenso unproduktiv wie Bettler und Komödianten. Mit der Aufklärung geht das Lob der Arbeit einher.  Arbeit sollte nicht länger Qual und Last sein, sondern zur Lust werden. Arbeit wird als Quelle allen wahren Vergnügens gepriesen, als könne man ohne Arbeit gar nicht mehr leben, wenn man durch Gewöhnung erst einmal das Vergnügen entdeckt hat. Für Karl Marx wurde später Arbeit von der Notwendigkeit zum ersten Lebensbedürfnis in dem Moment, in dem das Reich der Freiheit käme. Arbeit wurde zum Bildungsauftrag, in der Schule sollten Kinder arbeiten lernen, hier sollte die Neigung zur Arbeit kultiviert werden. Damit verbunden war die Forderung, daß niemand mehr unnützes Mitglied der Gesellschaft sein dürfe. Es wurde Pflicht der Menschen, dem Staat durch ihren Fleiß und ihre Arbeit nützlich zu werden.  Umgekehrt war es Aufgabe des Staates, die ökonomische Vernunft durchzusetzen, die keine Arbeitslosen oder Bettler dulden konnte.23[_23]   

 

Arbeit war so ein Begriff, in dem höchst unterschiedliche Fraktionen der Gesellschaft sich treffen konnten, und zwar trotz und wegen des Wandels, den diese Gesellschaft in der Durchsetzung eben der jeweils modernsten Form von Arbeit durchlief.  Für die liberalen Kräfte waren Arbeit und Freiheit zunächst unmittelbar verbunden; der Freiheit liberaler Kapitalverwertung sollte aber der Staat bald schon Grenzen setzen.  Schutz der Arbeit war Teil der Politik Bismarcks. Der konservative Mittelstand konnte Arbeit für sich reklamieren und forderte vom Staat einerseits den Schutz der Arbeiter wie der Arbeitslosen, und andererseits die Verpflichtung zur Arbeit. Die Frühsozialisten begründeten ihre Forderung nach Gleichheit und allgemeinem, gleichem Wohlstand mit der Sicherung dieses Wohlstands durch die Pflicht zu gemeinschaftlicher Arbeit. Die Sozialdemokraten in Deutschland schließlich wollten den Staat des Kapitals ersetzen durch den Staat der Arbeit. Nicht die Macht in der Gesellschaft, sondern die Beherrschung der Gesellschaft durch die Übernahme der staatlichen Herrschaft galt es für die Sozialdemokraten zu erringen.  In der Logik dieser Politik lag es, daß eine Beteiligung an staatlicher Macht um so eher erreicht werden konnte, als den Nicht-Arbeitenden, und hier stellvertretend den „Zigeunern“, die staatliche Gewalt entgegengesetzt werden konnte.  Damit wird zugleich kundgetan, daß diese staatliche Gewalt von den Sozialdemokraten mitgetragen werde.  Hier findet sich eine Begründung für die bemerkenswert engagierte Beteiligung von Sozialdemokraten an der Durchsetzung von „Zigeunergesetzen“.

 

Mit der Durchsetzung eines neuen Begriffs von Arbeit war stets die Durchsetzung einer spezifischen Ordnungspolitik verbunden. Seit der Ankunft der Roma in Deutschland war die Zahl der gegen Zigeuner gerichteten Verordnungen, Edikte bis hin zu Detail-Reskripten unaufhaltsam angewachsen.  Oft wurden diese Edikte geradezu rituell zu bestimmten Anlässen, etwa Reichstagen, wiederholt.  Bis in das 21. Jahrhundert hinein bestehen neue Erlasse regelmäßig darin, die Durchführung der vorangegangenen Erlasse zu erinnern. Die Funktion solcher Erlasse scheint nicht in erster Linie auf die Verfolgung der Roma zu zielen - obwohl es immer wieder zu grausamen Verfolgungen kam, sondern auf die Darstellung der ordnenden Kraft des Staates selbst.  Hierbei darf nicht vergessen werden, wie kompliziert das Rechtssystem jener Zeit war.  Es existierten mehrere, sich überschneidende Rechtssysteme nebeneinander, das einzige übergreifende war das Kirchenrecht, daneben gab es das Recht des Grundherrn, des Lehnsherrn, schließlich des Kaisers. Ungleichheit zwischen Freien und Leibeigenen, zwischen Adeligen und Bauern war selbstverständlich. Gleichzeitig besaßen die Minderheiten der Juden wie der Sinti/Roma ihre eigene Gerichtsbarkeit, die ihnen auch von der Obrigkeit bestätigt wurde, und die sie erst im Zuge der Aufklärung verloren. Die Frage nach einer Gleichstellung der Sinti/Roma stellte sich erst in dem Moment, in dem der entstehende Nationalstaat gleiche Behandlung aller Bürger forderte.

 

In Deutschland ging es zunächst um die Macht des Kaisers: die Edikte der Reichstage gegen Zigeuner bildeten erste Ansätze für die Durchsetzung eines reichseinheitlichen Gesetzes, mit dem der Kaiser Zugriff auf Untertanen auch auf dem Boden seiner Lehnsherrn hatte. Auch hier ging es möglicherweise weniger um die konkrete Durchsetzung solcher Ansprüche, als vielmehr um deren erste Formulierung. Grundsätzlich aber ging der souveräne Herrscher seit dem 16. Jahrhundert davon aus, daß er Kraft seines von Gott gegebenen Amtes für die Konstruktion einer guten Ordnung allein zuständig sei.  Das Mittel zur Durchsetzung dieser Ordnung war die Polizei - „Policey“ bedeutete nichts anderes als „gute Ordnung“. 

 

Erst die aufgeklärten Reformer des 18. und 19. Jahrhunderts versuchten, die Gesetzgebung zu einem tatsächlich auch durchsetzbaren Instrument staatlichen Handelns zu machen. War zuvor geradezu das wirtschaftliche und politische Funktionieren der Gesellschaft auf der Nicht-Beachtung solcher Gesetze gebaut, so ging es jetzt darum, bestehende Gesetze vollständig anzuwenden, um eben so auf einer neuen Stufe die Ordnung der Gesellschaft herzustellen.24[_24]   

 

Es scheint also, als ob gleichzeitig eine extreme Verfolgung von Roma stattfinden konnte und daneben sowohl die Bevölkerung als auch die Obrigkeit durchaus mit Roma leben konnten.  Zu fragen wäre, ob diese extremen Verfolgungen von Roma, bei denen oftmals schwerste Strafen exekutiert wurden, die selbst über die bestehenden Gesetze hinausgingen, schon frühzeitig die Funktion des „Zigeuners“ als stellvertretendes Opfer definierten, um eine Bevölkerung zu formieren, die selbst noch weitgehend undiszipliniert war. 

 

Neben den Ressentiments, die auf  einer spezifischen Ebene von individuellen Vorurteilsstrukturen angesiedelt ist, hat sich also schon frühzeitig eine Form staatlichen Handelns herausgebildet, die gekennzeichnet ist als Handeln von Obrigkeit, als staatliches Handeln im Kompetenzbereich von Behörden. Bestand dieses staatliche Handeln zunächst im Erlassen von Verordnungen, so hat sich ein wirkliches staatliches Handeln tatsächlich erst mit der Aufklärung durchgesetzt. Jetzt galt es, nicht nur Edikte und Verordnungen zu erlassen, sondern den Gesetzen uneingeschränkte Geltung zu verschaffen. Alle Handlungen des Staates sollten auf Gesetzen beruhen, und ebenso sollten die Gesetze uneingeschränkt angewendet werden. Voraussetzung war, daß die Rechtssubjekte: die Bürger, geschaffen wurden.  Hierzu mussten vor allen Dingen diejenigen, die offenkundig aus den neuen Verhältnissen noch immer ausgeschlossen waren, Juden und Sinti/Roma, zu eben solchen Bürgern werden, wie es die übrige Bevölkerung auch war oder werden sollte. Als Instrument dieser Integration galt den Aufklärern die Erziehung, genauer: die Erziehung zur Arbeit als der Voraussetzung, „nützlicher Bürger“ zu sein.

 

In dem Maße, in dem mit der Aufklärung die Forderung nach einer rationalen Begründung allen Handelns verbunden war, mussten tradierte Vorurteile in jedenfalls akzeptable kognitive Formen überführt werden. Der traditionelle Judenhass musste ersetzt werden durch einen Antisemitismus, der sich rationaler Begründungsformen bediente, und der gleichzeitig die Funktionen traditioneller Judenfeindschaft - Orientierung und Selbstdefinition für die Mehrheit -  erfüllte. Das bedeutet selbstverständlich nicht, daß der moderne Antisemitismus deshalb rational begründbar geworden wäre, sondern daß er sich ein logisches System schuf, er sich zu einer Weltanschauung wandelte, die als umfassendes Erklärungsmuster dienen konnte. Der moderne Antisemitismus, wie er seit den 1870er Jahren entstanden war, intendierte nicht länger die Diskriminierung, Ausgrenzung und Verfolgung der Juden, sondern deren Verschwinden.  In gleicher Weise zielte auch die Politik gegenüber Sinti/Roma auf das Verschwinden der Zigeuner.

 

Verschwinden bedeutete noch immer nicht die physische Ausrottung der Juden oder der Zigeuner. Die „Besserung“ der Juden wie der Roma hatte auf deren vollständige Integration, besser: Assimilation gezielt.  Bis in die Zeit vor dem Ersten Weltkrieg bestimmte diese aufklärerische Position weite Teile der Politik.  In der „Zeitschrift für Staats- und Gemeindeverwaltung im Großherzogtum Hessen“ erschienen 1901/02 mehrere Artikel unter dem Titel „Zur Beseitigung der Zigeunerplage“.25[_25]   In der Tradition des klassischen deutschen Strafrechts stehend wurde hier verlangt, zunächst die bestehenden Gesetze tatsächlich anzuwenden : “Wir glauben, nachgewiesen zu haben, daß die Polizei genügend Mittel hat, den Zigeuner unter das Gesetz zu beugen.”  Hier waren also ausschließlich die gesetzlichen, und das bedeutete rationale Maßnahmen, vorstellbar.  Eine Tendenz zu rassistischer Ausgrenzung und Vernichtung kann hier nicht gezeigt werden. Vielmehr wird die Jahrhunderte andauernde Geschichte der Vertreibung und Verfolgung und deren Auswirkungen auf die Mentalität der  Zigeuner festgestellt : “Ein Volk wird durch Jahrhunderte auf Europa von Ort zu Ort gehetzt und den Tieren der Wildnis gleich behandelt.  Es werden Gesetze geschmiedet, so grausam, daß selbst die Richter, die unter dem Banne der Carolina criminalis stehen, sie zu streng finden und nicht durchführen.  Denn jedes Strafgesetz setzt eine strafbare Handlung voraus, daß aber die bloße Existenz eines Volkes eine strafbare Handlung sei, war für diese alten Richter etwas neues.”26[_26]   

 

Erst wenige Jahre zuvor war in Preußen die Trennung von staatlicher Sicherheitspolizei und kommunaler Wohlfahrtspolizei vorgenommen worden.  Seit 1870 war die Polizei der Konkurrenz neuer Wissenschaften ausgesetzt: der Medizin, Psychologie, Sozialfürsorge. Sie stand unter hohem Modernisierungsdruck.27[_27]    Während einerseits noch die liberale, klassische Tradition der Aufklärung wirksam war, formierte sich eine neue Form der Moderne. 1899, fast gleichzeitig mit den Hessischen Überlegungen zur Integration der Sinti/Roma, wurde in Bayern der “Nachrichtendienst für die Sicherheitspolizei in Bezug auf die Zigeuner” gegründet, die systematisch alle verfügbaren Daten über Sinti/Roma sammelte und für das Deutsche Reich zentral verwaltete. Ein Novum, denn bis dahin hatten die jeweiligen deutschen Länder und Kleinststaaten ihr Polizeimonopol eifersüchtig bewahrt.  Erstmals wurde hier die totale Erfassung und Überwachung einer Bevölkerungsgruppe geplant und durchgeführt. Der “Zigeunerzentrale” standen modernste technische Hilfsmittel zur Verfügung.  Telegraphendienst, Photographie, Fingerabdrucksysteme, Kennkarten - die jeweils neuesten technischen Entwicklungen wurden gegen Sinti/Roma erstmals umfassend eingesetzt, um eine vergleichsweise geringe Zahl von Menschen einer dem Anspruch nach totalen Überwachung zu unterwerfen. Das Vokabular der Technokraten unterschied sich nicht wesentlich von dem der liberalen Aufklärer: beide sprachen von “Zigeunerplage”,  die es “endlich abzuschaffen” gelte. 

 

Es wird deutlich, daß das „Verschwinden“ der Minderheiten unterschiedliche Bedeutungsinhalte hatte, die von der – qua Zwangserziehung zu bewerkstelligenden – Assimilation bis zur pogromatischen Vertreibung reichen konnten.  Erst mit der modernen Verbindung von Rassenideen mit dem Darwinismus, dem Auftauchen der modernen Rassenwissenschaften in ihren sozialdarwinistischen Ausprägungen, konnte das Verschwinden der Minderheiten radikal gedacht werden als eine quasi moralische Verpflichtung der Mehrheit zur physischen Bekämpfung und Ermordung.

 

Ein Beispiel für einen ordnungspolitisch motivierten Antiziganismus ist Wilhelm Leuschner, der 1929 als Innenminister des Volksstaats Hessen dem Landtag ein „Gesetz zur Bekämpfung des Zigeunerunwesens“ vorlegte. Wilhelm Leuschner, der am 29. September 1944 als Widerstandskämpfer gegen Hitler hingerichtet wurde, hatte als Repräsentant der verbotenen Gewerkschaften im 3. Reich an exponierter Stelle den Widerstand organisiert und war mehrfach in Konzentrationslager inhaftiert worden.

 

Wilhelm Leuschner begründete das „Zigeunergesetz“ vor dem Landtag: Ziel des Gesetzes sei es, die Zigeunerplage (als) dauernde Gefährdung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung (einer) einheitlichen Bekämpfung“ zuzuführen, da „trotz energischen Vorgehens eine Ausrottung des Übels bisher nicht möglich war.“28[_28]   

 

Gerade bei Wilhelm Leuschner, nach dem heute in Hessen die höchste Verdienst-Medaille des Landes benannt ist, wird die integrative Kraft des staatsbürgerlichen Erziehungsmittels „Zigeuner“ deutlich: die Ordnungspolitik, die sich des „Zigeuners“ regelmäßig zu bemächtigen wie zu versichern suchte, war nicht primär auf die Sinti/Roma gerichtet, sondern auf die Angehörigen der Mehrheit, denen am Beispiel der „Zigeuner“ vor Augen geführt wurde, was ihnen zu geschehen droht, wenn sie sich nicht den Zwängen der modernen Gesellschaft unterwerfen wollten. Die integrative Kraft des Bildes vom „Zigeuner“ beweist sich darin, daß dieses Bild zum Bindeglied zwischen politischen Feinden, nämlich den Sozialdemokraten und den konservativen und reaktionären Kräften der Weimarer Republik gemacht wurde.  Diese  Funktion, als Bindeglied divergierender Kräfte zu agieren, machte die Figur des „Zigeuners“ unentbehrlich im Repertoire staatlicher Ordnungspolitik.

 

Die Figur des “Zigeuners” bekommt ihre Funktion zugeschrieben im Rahmen jener Mechanismen, die unter dem Begriff der Sozialdisziplinierung zusammengefaßt sind. Wiederum am Beispiel des Arbeitsbegriffs kann gezeigt werden, wie im Nationalsozialismus Minderheiten qua Rasse ausgegrenzt wurden.  Ausschließlich die Zugehörigkeit zu einer gegebenen Rasse bestimmte die Zugehörigkeit zur Volksgemeinschaft.  Entsprechend neu wurde der Begriff der Arbeit definiert, indem er in dem rassistischen Zusammenhang nationalsozialistischer Politik verankert wurde.  Hitler selbst hat seinen Antisemitismus mit dem Arbeitsbegriff begründet. Während Arbeit auf arischer Seite aus ideellen Gründen betrieben werde, so sei Arbeit auf jüdischer Seite ausschließlich Egoismus, entsprechend sei jene “Kulturschöpfung,” diese aber “Parasitentum”.  “Ariertum bedeutet sittliche Auffassung der Arbeit und dadurch ... Sozialismus, Gemeinsinn, Gemeinnutz vor Eigennutz – Judentum bedeutet egoistische Auffassung der Arbeit und dadurch Mammonismus und Materialismus, das konträre Gegenteil des Sozialismus.”29[_29]    Entsprechend der Entwicklung und Radikalisierung der nationalsozialistischen Verfolgungspolitik wurden hier Juden ebenso wie Sinti und Roma nicht länger als Individuen, sondern als Gruppe, als gesamte Minderheit ausgegrenzt.  Diese Entwicklung, die die Angehörigen von Juden, Sinti und Roma allein aufgrund ihrer ethnischen Zugehörigkeit zuerst ausgrenzte und entrechtete, um sie dann zu deportieren und zu vernichten, diese Entwicklung nachzuzeichnen und zu verstehen - dies zumindest zu versuchen - ist Aufgabe einer Antiziganismusforschung.

 

Antiziganismus darf dabei nicht zuallererst als Begründung für bestehende Gewaltverhältnisse verstanden werden. Deren Ursachen liegen jenseits sowohl der Sinti/Roma wie des von der Mehrheit geschaffenen Bildes vom „Zigeuner“. Antiziganismusforschung darf nicht die bestehenden Vorurteilsstrukturen als primäre Ursache für die Verfolgungen von Sinti/Roma begreifen, wenn sie nicht die Irrationalität dieser Ressentiments nachträglich rationalisieren will. Das heißt auch, daß eine historische Kontinuität antiziganistischer Stereotype nicht ohne weiteres unterstellt werden kann, wie dies etwa bei Wippermann geschieht:„Die Sinti und Roma sind nicht nur gewissen ‘Ressentiments’ ausgesetzt, sie waren und sind mit einer extrem feindlichen und extrem verbreiteten negativen Einstellung der Mehrheitsgesellschaft konfrontiert. Sie waren fast immer ‘Opfer’ und können es jederzeit wieder sein.“30[_30]   

 

Wippermann setzt in seiner Analyse einen seit Jahrhunderten wirksamen eliminatorischen Hass auf Sinti und Roma voraus.  Damit versucht er, die unterschiedlichen historischen Verfolgungen zu einem Phänomen zusammenzuzwingen. Antiziganismus wird hier zur Ursache von Gewaltverhältnissen zwischen Mehrheit und Minderheit gemacht, und gleichzeitig wird dieser Ursache eine raumzeitliche Kontinuität zugeschrieben. Die intendierte Vernichtung der Sinti und Roma durch den deutschen Faschismus wird so zum letzten Beweis eines seit sechshundert Jahren wirksamen Antiziganismus.

 

Es leuchtet unmittelbar ein, daß der Antiziganismus eine dem Antisemitismus analoge Struktur besitzt, der eine für die Mehrheitsgesellschaft wichtige Funktion hat. Dennoch bleibt ein Unbehagen bestehen. Dem Verdienst des Begriffs Antiziganismus, nämlich die Vorurteilsstruktur, die vielfältigen Stereotype gegen „Zigeuner“ auf einen Begriff gebracht zu haben, steht gegenüber, daß hier eine historische Konstante, eben der Antiziganismus, als Reaktion auf eben diesen Rassismus eingeführt wird, also stets auf dem von den Antiziganisten bereiteten Feld agiert und argumentiert wird.  Möglicherweise sind ja die mentalen Folgen der Jahrhunderte langen Verfolgungen und des NS-Völkermordes gravierender und vor allen Dingen konsensstiftender als die Ursachen und Einstellungen, die zu der Verfolgung führten. Wenn man davon ausgehen muss, daß die normativen Grundlagen der Verfolgung von Sinti/Roma nie existierten - mit anderen Worten: Sinti/Roma hatten und haben mit dem Bild des Zigeuners, das die Verfolgungen legitimieren sollte, nichts zu tun - dann muss dieses Fehlen einer normativen Grundlage kompensiert werden durch die Konstruktion des Bildes einer Minderheit, die den Bedürfnissen der Mehrheit entspricht.

 

Es sind die Institutionen der Mehrheit, die das Bild vom Zigeuner definieren, und gleichzeitig sind es die Angehörigen der Mehrheit, denen dieses Bild als Menetekel vorgehalten wird: als Warnung für jene, die aus welchen Gründen auch immer aus der bestehenden Ordnung, schließlich der Volksgemeinschaft herausfallen, sei es durch Arbeitslosigkeit, sei es durch Proletarisierung. Die Verfolgung der Sinti/Roma also, nicht zu rechtfertigen durch das Verhalten der Minderheit, muss erklärt werden, und sie wird erklärt durch sich selbst.  Die Geschichte der Verfolgung wird zum Beleg für die fortgesetzte Verfolgung - wenn schon immer Sinti/Roma Objekte staatlicher Maßnahmen waren, dann muss es einen tiefen Grund dafür geben. Die Ausgrenzung und Verfolgung begründen die Ausgrenzung und Verfolgung.

 

Wenn am Beispiel der historischen Verfolgungen der Sinti/Roma gezeigt werden kann, daß die rassistische Erklärung quasi als Resultat der Verfolgungen auftaucht, dann wäre zu zeigen, ob und wann dieser Rassismus als Ursache der Verfolgung in Erscheinung tritt. Solange diese Frage nicht geklärt ist, betritt der antirassistische Antiziganismusforscher nur die Pfade der Antiziganisten, übernimmt er die Erklärungsmuster, die der Rassismus anbietet. 

 

Damit findet sich der Antiziganismusforscher, eingeführt als Teil historischer Antirassismusforschung, unversehens in einer paradoxen Situation, in der sich der moralisch-intellektuelle Antirassist seit jeher befindet: die jeweils diskriminierten Gruppen, gegen die sich Rassismus richtet, entwickeln - unterstützt darin von intellektuellen Antirassisten - eine Minderheitenpolitik, die sich um eine ethnische Identität formiert - und gleichzeitig ist diese ethnische Identität theoretisch nicht positiv zu beschreiben, eben weil die Antworten, die bislang auf die Frage der ethnischen Differenz gegeben wurden, den Weg zur Vernichtung der Minderheiten bereiteten. Der Ausweg aus dieser paradoxen Situation bleibt solange nur Kümmerform von Gesellschaftskritik31[_31]  , solange die antirassistische Ideologie nur als politisch und moralisch korrekt auftritt, aber ohne Analyse der als unveränderbar akzeptierten Gesellschaftsform auszukommen meint.

 

Antiziganismusforschung muß also zum einen Antiziganismus verstehen als ein Konstrukt, das hypothetisch soziale Ereignisse – meist negativer Natur – der Minderheitengruppe der Roma zuweist und eine Folie bildet, die die Verfolgungen eben dieser Minderheit rechtfertigt.  Der Antiziganismus stellt dabei ein Kausalverhältnis her zwischen der Wahrnehmung beziehungsweise Beurteilung von sozialen Ereignissen und deren vermeintlicher Ursache – den „Zigeunern“.  Dieses Kausalverhältnis ist derart stabil, daß es weder geändert noch durch etwaige Überprüfungen außer Kraft gesetzt werden kann, und es hat den kaum zu überbietenden Vorteil, daß es einen gleichermaßen geschlossenen wie anpassungsfähigen Rahmen liefert für das Verstehen jedweder Ereignisse und Phänomene. Eine solcherart vorgenommene Erklärung sozialer Ereignisse, die Realität langfristig strukturiert, lässt Fremdbilder und Vorurteile entstehen, die äußerst resistent sind.  Zum andern jedoch darf das immergleiche Auftreten der Bilder vom „Zigeuner“ und die Resistenz der dazugehörigen Vorurteile nicht dazu verführen, deren Funktion und deren Funktionswandel zu unterschätzen.  Das Bild vom „Zigeuner“ hatte im Feudalismus eine andere Funktion als in der Weimarer Republik, und dort eine andere als in der Bundesrepublik Deutschland. 

 

Das Bayerische Zigeunergesetz aus dem Jahr 1926 wird oft angeführt als Beispiel für die Verschärfung und Radikalisierung der Politik des Kaiserreichs.  Sinti/Roma konnten aufgrund dieses Gesetzes ohne weiteres in Arbeitsanstalten eingewiesen werden oder zu Gefängnisstrafen verurteilt werden. Nur: in den Archiven Bayerns findet sich - bislang zumindest - kein einziger Fall, der zu einer Verurteilung von Sinti/Roma aufgrund dieses Gesetzes geführt hätte. Die Einweisung in Arbeitsanstalten war zudem aufgrund der bestehenden Gesetze bereits möglich. Das mit erheblichem Aufwand also über Jahre hinweg verfolgte Vorhaben eines Zigeunergesetzes blieb, nachdem es endlich erreicht war, praktisch zunächst ohne Folgen.  Entscheidend neu bei diesem Gesetz war die Einführung einer neuen Kategorie, der der Rasse, in der Gesetzgebung der deutschen Länder. In der Ministerial-Entschließung zur Ausführung des Gesetzes wird festgestellt : “Der Begriff ‘Zigeuner’ ist allgemein bekannt und bedarf keiner näheren Erläuterung. Die Rassenkunde gibt darüber Aufschluss, wer als Zigeuner anzusehen ist.”32[_32]    Dies lediglich als Ausdruck eines rassistischen Antiziganismus zu deuten, der aufs Dritte Reich verweise, greift zu kurz. Bei der Durchsetzung der Zigeunergesetze in Deutschland ging es gerade nicht darum, irgendeinem Antiziganismus zum legalen Durchbruch zu verhelfen.  Es ging nicht primär darum, ein imaginäres “Zigeunerunwesen” zu bekämpfen.  Es ging vielmehr darum, einen Wechsel in der Funktion der Polizei durchzusetzen.  Nicht mehr Straftäter, also eine Straftat vorausgesetzt, sollten verfolgt werden können, sondern unabhängig davon sollte die Polizei zugleich präventiv agieren können. “Nicht mehr die Verfolgung begangener Straftaten, sondern die planmäßige Bekämpfung des Verbrechertums ohne Beziehung zu einer bestimmten Straftat ist das hauptsächliche Arbeitsgebiet der Polizei.”33[_33]   

 

Eine Funktionsanalyse der Gesetze gegen Sinti/Roma in der Weimarer Republik muss gerade diese Transformation in der gesamten Rechtsentwicklung zum Ausgangspunkt machen. In Deutschland war die Modernisierung der Polizei seit jeher am Beispiel der Sinti/Roma eingeführt worden. So die zentrale und reichsweite Erfassung seit 1899, die Einführung von Kennkarten als Vorläufer des erst im 3. Reich eingeführten Personalausweises, so die Registrierung aller Fingerabdrücke von Sinti/Roma ohne Verbindung mit einer Straftat. Diese Modernisierung, die zunächst auf alle technischen Hilfsmittel sowie auf die Überwindung der Ländergrenzen innerhalb des Deutschen Reiches zielte, war jedoch prinzipiell beschränkt durch die Deutsche Verfassung. Solange die föderalistische Struktur bestand, war die Zentralisierung von Daten schwierig. Am Beispiel der totalen Erfassung der Sinti/Roma war dieses förderale Hemmnis  erstmals überwunden worden. Verfassung und Strafrecht garantierten in der Weimarer Republik die Unschuldsvermutung für jeden Beschuldigten. Mit der Einführung der Kategorie „Rasse“ im Bayerischen Zigeunergesetz, die danach in anderen Landesgesetzen übernommen wurde, war erstmals die Möglichkeit gegeben, Beschuldigte allein aufgrund ihrer ethnischen Zugehörigkeit und ohne Verbindung zu einer konkreten Straftat zu verfolgen und in Gefängnisse einzuweisen. 

 

Solange die Weimarer Republik bestand und ihre verfassungsgemäßen Mindestgarantien beachtet wurden, waren Sinti/Roma Opfer von Diskriminierung und Ausgrenzung, ihre Existenz aber war nicht in Frage gestellt. Mit dem Beginn des Dritten Reiches jedoch änderten sich die Rahmenbedingungen erneut, und zwar auf eine grundsätzliche und radikale Weise. Fand in der Weimarer Republik mit dem Bayerischen Zigeunergesetz gewissermaßen der Paradigmenwechsel zu einer rassenwissenschaftlichen Form der Gesetzgebung statt, so wurde im Dritten Reich die Rassenkunde unmittelbar angewandte Praxis.  Indem der Staat qua Gesetz die Rassenkunde, genauer: die Rassenhygiene zu derjenigen Institution machte, die die Objekte der staatlichen Aufmerksamkeit bestimmte, fand jener Wechsel statt, durch den die tradierte Ausgrenzung total wurde in dem Moment, in dem das staatliche Handeln mit dem Rassengedanken verknüpft wurde.  In dem Moment, in dem der Rassengedanke zur Grundlage des Staates gemacht wurde, war die Existenz der Sinti/Roma grundsätzlich in Frage gestellt.

 

Eine genaue Betrachtung des Zusammenspiels von Rassenwissenschaften und nationalsozialistischen Institutionen kann am Beispiel der Verfolgung und Vernichtung der Sinti/Roma womöglich zeigen, wie und warum diese Minderheit, die in der politischen Vision des Nationalsozialismus keine Rolle spielte, ins Zentrum der Vernichtungspolitik geriet. Dabei werden den Humanwissenschaften die Zielvorgaben zugeschrieben werden müssen, die von der nationalsozialistischen Politik gleichermaßen erwartet wie eingelöst wurden. Die Rassenhygienische Forschungsstelle beim Reichsgesundheitsamt, die eine entscheidende Rolle bei der Vorbereitung und Legitimierung wie bei der Planung und Durchführung der Verfolgung und Vernichtung von Sinti/Roma innehatte, beriet auf der Grundlage ihrer rassenhygienischen Theorien die Gesetzgebung des Dritten Reiches ebenso wie dessen Verwaltung. Obwohl das Bild vom „Zigeuner“, das „Zigeuner“-Ressentiment, gleich blieb, hatte sich der Kontext radikal verändert.

 

Diese Änderung des Kontextes, der den Funktionswandel des „Zigeuner“-Ressentiments jeweils bestimmt, zu rekonstruieren, wird eine der Aufgaben einer Antiziganismusforschung sein. Hierbei wird der Vergleich mit dem Antisemitismus eine wesentliche Rolle spielen müssen, weniger in den offensichtlichen Übereinstimmungen, als vielmehr auch in den Unterschieden. Gefragt werden muß, warum zwei verschiedene Minderheiten gleichen Mechanismen der Ausgrenzung und Vernichtung anheimfielen.  So sehr der Antisemitismus seit der Aufklärung in der deutschen Gesellschaft und seit dem Kaiserreich nicht mehr in der Rechtsordnung des Staates verankert war, so wenig läßt sich ein gesellschaftlicher Antiziganismus zeigen - vielmehr aber ein Antiziganismus, der unmittelbar in den Institutionen des Staates verankert war.  Sinti/Roma hatten kaum jemals eigene Forderungen auf Emanzipation gestellt, ebenso wenig wie der deutsche Staat eine solche Emanzipation jemals ernsthaft betrieben hätte.  Damit ergab sich auch keine Gegenreaktion im Form eines gesellschaftlich organisierten, modernen Antiziganismus.

 

Allerdings konnten am Beispiel der „Zigeuner“ unterschiedliche Kräfte selbstverständlich zusammenfinden, selbst Kräfte, die gemessen am Antisemitismus zwei gegensätzlichen Lagern zuzugehören schienen.34[_34]   Während hier Emanzipation und Antisemitismus als zwei Begriffe symbolisch für zwei politische Lager einander gegenüber stehen, ist am Beispiel der “Zigeuner” erkennbar, daß beide: liberale Aufklärer wie konservative Anti-Modernisten, das “Zigeuner”-Ressentiment nutzten als Brücke zwischen diesen Lagern. Der Forderung nach Ausgrenzung, nach Vertreibung der “Zigeuner” konnte sich jede gesellschaftliche Gruppe anschließen, gerade auch jene, die sonst der Emanzipation verbunden waren. Gerade die Ächtung des Antisemitismus in fortschrittlichen und liberalen Kreisen konnte unterlaufen werden durch einen Antiziganismus, der gleichermaßen wissenschaftlich als Rassenkunde wie sozialhygienisch als Antwort auf die “soziale Frage” vermittelt war. 

 

Während der Antisemitismus als Weltanschauung schließlich eine Massenbasis für den Nationalsozialismus schuf, während über den Judenhass stets aufs Neue die Massenloyalität zum Führer erneuert wurde, kann der Antiziganismus als unmittelbar praktisches Instrument der Integration divergierender Kräfte innerhalb der Volksgemeinschaft verstanden werden, als praktisches Instrument auch in dem direkten Sinn, daß der Antiziganismus immer wieder Maßnahmen dem nationalsozialistischen Herrschaftsapparat empfahl und legitimierte.  Der Antisemitismus lieferte das simple, übergreifende Erklärungsmodell, daß die Juden schuld seien; der Antiziganismus bildete gleichzeitig die Facette der sozialen Ausgrenzung aufgrund rassistischer Kriterien ab.

 

Die kaum sichtbare gesellschaftliche Organisation des Antiziganismus bedeutet nicht, daß er deshalb weniger wirksam gewesen ist. Vielmehr scheint die Selbstverständlichkeit, mit der „Zigeuner“-Ressentiments von Staats wegen immer wieder neu belebt werden konnten, ohne je einer Begründung zu bedürfen, ein Beleg für die schichtenübergreifende Effizienz des Antiziganismus zu sein. Die Verwissenschaftlichung des Antiziganismus schließlich lieferte dem Modernisierungsprozeß des Staates wie der Gesellschaft die radikalisierenden Argumente, die schließlich die soziale Frage als Rassenfrage mit der Auslöschung aller nicht zur Volksgemeinschaft gehörenden Menschen beantworten sollte.

 

 


 [_1]Mayer, Hans: Außenseiter, Frankfurt am Main 1977,  S. 11.

 [_2]Am Rande werden natürlich auch hier Zigeuner genannt : als Carmen etwa, die „Zigeunerin, also die Recht- und Sittenlose, die nicht dazugehören kann“, als Vorwegnahme spezifischer Frauenfiguren, ebenda, S. 132.

 [_3]Immerhin bei so unterschiedlichen Autoren wie Breger, Claudia: Heinrich Moritz Gottlieb Grellmann - Überlegungen zur Entstehung und Funktion rassistischer Deutungsmuster im Diskurs der Aufklärung.  In : Barbara Danckwortt/Thorsten Querg/ Claudia Schöningh (Hg) : Historische Rassismusforschung. Ideologien - Täter - Opfer, Berlin 1995, oder Willems, Wim: In Search of the True Gypsy. From Enlightenment to Final Solution, London 1996.

 [_4]Vgl. : Kosovo.  Unter den Augen der KFOR : Massenvertreibung der Roma, Aschkali und   Kosovo-Ägypter.  Gesellschaft für bedrohte Völker (Hg.), 7. Auflage, Göttingen 2001; Das Pogrom. 650 Jahre Roma-Kultur im Kosovo und ihre Vernichtung, Rom e.V. (Hg.), Köln 2000.

 [_5]Naimark, Norman M. : Das Problem der ethnischen Säuberung im modernen Europa, in: Zeitschrift für Ostmitteleuropaforschung, 48. Jg. 1999, S. 319.

 [_6]Grellmann, Heinrich Moritz: Historischer Versuch über die Zigeuner betreffend die Lebensart und Verfassung.  Sitten und Schicksale dieses Volkes seit seiner Erscheinung in Europa und dessen Ursprung. Zweite, viel veränderte und vermehrte Auflage.  Göttingen 1787. Nach dieser Ausgabe wird hier zitiert.  Die erste Auflage erschien 1783.

 [_7]Zimmermann, Michael: Die nationalsozialistische ‘Lösung der Zigeunerfrage’, in: Herbert, Ulrich (Hg.) : Nationalsozialistische Vernichtungspolitik 1939-1945. Neue Forschungen und Kontroversen.  Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt am Main 1998, S. 235 – 262

 [_8]Wippermann, Wolfgang: ‘Wie die Zigeuner’. Antisemitismus und Antiziganismus im Vergleich, Berlin 1997, S. 101.

 [_9]Dohm, Christian Wilhelm: Über die bürgerliche Verbesserung der Juden, Berlin und Stettin 1781, S. 3.

 [_10]Grellmann : a.a.O., S. 183.

 [_11]Dohm: a.a.O., S. 34.

 [_12]Ebenda, S. 87

 [_13]Ebenda, S. 88

 [_14]Grellmann: a.a.O. S. 15

 [_15]Ebenda

 [_16]Ebenda, S. 182

 [_17]Ebenda, S. 185

 [_18]A. J. Storfer : Wörter und ihre Schicksale, Berlin und Zürich 1935, Stichwort “Arbeit”, S. 30.

 [_19]Conze, Werner: Arbeit. In: Geschichtliche Grundbegriffe.  Historisches Lexikon zur politisch-sozialen Sprache in Deutschland.  Herausgegeben von Otto Brunner, Werner Conze, Reinhard Kosseleck, Band 1 A-D, Stuttgart 1972, S. 164.

 [_20]Dohm : a.a.O.

 [_21]Grellmann : a.a.O., S. 80ff.

 [_22]Ebenda, S. 162

 [_23]Vgl. hierzu Conze, Werner : Arbeit, in: Geschichtliche Grundbegriffe.  Historisches Lexikon zur politisch-sozialen Sprache in Deutschland.  Herausgegeben von Otto Brunner, Werner Conze, Reinhard Kosseleck.  Band 1, Stuttgart 1972, S. 154-215.

 [_24]Vgl. hierzu Schlumbohn, Jürgen: Gesetze, die nicht durchgeführt wurden - ein Strukturmerkmal des frühneuzeitlichen Staates?  In: Geschichte und Gesellschaft. Zeitschrift für Historische Sozialwissenschaft, 23. Jg Heft 4, Göttingen 1997.

 [_25]Welcker, Adolf : Zur Beseitigung der Zigeunerplage,, in: Zeitschrift für Staats- und Gemeinde-Verwaltung im Großherzogtum Hessen. 26. Jg. Nr. 18, 25. Dezember 1901 und 15. Januar 1902, Mainz.

 [_26]Welcker, Adolf: Die Zigeunerplage. In: Beilage zu Nr. 60 der Darmstädter Zeitung vom 5. Februar 1902.

 [_27]Vor allen Dingen, um dem “inneren Reichsfeind”, der Sozialdemokratie, entgegentreten zu können.

 [_28]Verhandlungen des Landtags des Volksstaates Hessen im Jahre 1927/31.  Vierter Landtag. Landtagsamt Drucksachen Nr. 1-998, Darmstadt 1931, Drucksachen Nr. 274 und 452.

 [_29]Hitler, Adolf : Warum wir Antisemiten sind, in : Vierteljahreshefte für Zeitgeschichte 16 (1968), S. 400ff.

 [_30]Wippermann : a.a.O., S. 12.

 [_31]Clausen, Detlev: Was heißt Rassismus, Darmstadt 1994, S. 15.

         [_32]Ministerialentschließung zur Ausführung des Zigeuner- und Arbeitsscheuengesetzes in Bayern vom 16. Juli 1926.  In : Höhne, Werner K.: Die Vereinbarkeit der deutschen Zigeunergesetze und -verordnungen mit dem Reichsrecht, insbesondere der ichsverfassung.  Diss. Jur., Heidelberg 1930, S. 126.  In Höhnes Arbeit ist eine Sammlung der damaligen Gesetze und Verordnungen im Anhang enthalten.

 [_33]Reich, Hermann : Das bayerische Zigeuner- und Arbeitsscheuengesetz, in : Juristische Rundschau 2, 1926, S. 834f.

 [_34]Vgl. Volkov, Schulamit : Jüdisches Leben und Antisemitismus im 19. und 20. Jahrhundert : 10 Essays, München 1990.