Bronislawa Wajs

1909-1987

 

 

Papuscha, die „Puppe", (ihr eigentlicher Name lautet Bronislawa Wajs) wurde Anfang des Jahrhunderts geboren. Sie schrieb ungefähr dreißig Gedichte im Dialekt der Polnischen Roma. Sie sind Ausdruck der Leiden der Roma im Zweiten Weltkrieg („Blutige Tränen - was wir unter den Deutschen in Wolhynien im 43. Und 44. Jahr erduldet") und in den Nachkriegsjahren mit ihrem sozialen Wandel, den der „Große Halt" mit sich brachte. Weil sie angeblich Nicht-Zigeunern Geheimnisse anvertraut hatte, wurde sie von ihrem Volk mit dem Bann belegt und schwieg siebzehn Jahre. Nach ein paar Gedichten in den sechziger Jahren verstummte sie vollends. In Isolation, Verzweiflung und Einsamkeit starb sie am 8. Februar in Inowroclaw. Heute findet jährlich auf dem Internationalen Festival der Roma-Kultur in Gorzow in der Wojewodschaftsbibliothek eine Gedenkveranstaltung statt.

 

 

DAS WASSER, DAS WANDERT
Längst entschwunden sind die Zeiten
der Zigeuner, die gewandert.
Ich aber seh sie,
hurtig wie Wasser,
stark und durchscheinend.
Man kann es hören,
wie's wandert,
wie's Lust hat zu reden.
Aber das arme - es kennt keine Sprache
außer dem Rauschen und Silbergeplätscher.
Nur das Pferd auf der Weide
hört und versteht sein Geraune.
Doch schaut's nach ihm sich nicht um,
flieht eilends, läuft weiter,
wo niemand es ausspäht,
das Wasser, das wandert.


WALD MEIN VATER
Wald, mein Vater,
schwarzer Vater!
Du hast mich erzogen,
du hast mich verworfen.
Deine Blätter zittern,
ich zittre mit ihnen,
du singst, und ich singe,
du lachst, und ich lache.
Du hast nicht vergessen,
auch ich dich erinnre.
Gott, wohin gehen?
Was tun, woher nehmen
die Märchen und Lieder?
Ich geh nicht ins Dickicht,
treff keinen der Flüsse.
Wald, mein Vater,
schwarzer Vater!